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stilles Gespräch


Zufriedenheit, Gelassenheit und vorausseilende Sehnsucht beschreiben recht genau mein Befinden beim fern sehen, auf dem Vordersitz des Swebi, meinem Logenplatz. Das Programm in Helsingborg ist eine Wiederholung und doch sehe ich so viel mehr als bei der Erstausstrahlung. Nach drei Wochen ruhigem Urlaub sitze ich also sehr entspannt mit meinem Glas Wein dort und schaue mir an, wie in dem schönen Jachthafen die Sonne langsam untergeht. Der Himmel im Blau der blauen Stunde, das Meer schon dunkel, die sinkende Sonne spiegelt sich im Wasser und in den ersten Fensterscheiben gegenüber. Nun kommt die Hafenbeleuchtung dazu, die alles ringsum in ein warmes Licht taucht. Mehr und mehr kehrt Ruhe dort draußen ein und ebenso bei mir. Aus dem Fenster schauen, nicht mehr als das .... Die Abende sind auch in Schweden im Sommer noch lang und erst spät ist es so dunkel, dass in den Häusern und Hauseingängen die Lichter angehen.

Beim Spazierengehen am Mittag konnten wir sehen, dass diese besonderen, hohen Häuser, mit der Rundung im vorderen Bereich, nun auch schon in Jahre gekommen sind, aber nun um Mitternacht ist der Zauber wieder da, wie ich ihn mir in meiner Erinnerung aufbewahrt hatte. Und die Gedanken wandern und fragen sich, wer wohnt dort, was sind das für Menschen, für Schicksale. In weniger Wohnungen gehen die Lichter an, als beim letzten Mal. Konnte sich jemand nicht mehr leisten, in diesem Luxus zu leben, was ist ihm oder ihr passiert? Aber dort, die zweite Wohnung von oben im runden Haus: Da geht die Frau hin und her, als würde sie den Tisch decken, dabei ist es beinahe mitten in der Nacht. Vielleicht ist sie so vorsorglich und deckt abends schon den Frühstückstisch…. Die gleichen Bewegungen, die ich beim letzten Besuch hier beobachtet habe. Das freut und beruhigt mich auf eigentümliche Weise.

Das Haus weiter links ist unbeleuchtet bis auf eine einzige Etage, doch auch in dieser Etage ist kein Leben zu erkennen. Wie wäre es, in einer so großen Wohnung, in einem so großen Haus, ganz einsam und allein zu leben. … Vielleicht wird die Etage automatisch erhellt, damit nicht auffällt, dass hier keiner mehr wohnen möchte; ja das wird’s sein. Allerdings kann es nicht an der Aussicht aufs Meer liegen. Dort unten in der Wohnung, im ‚geraden‘ Haus sehe ich einen Mann, der von der Bewegung her schon recht alt sein muss. Immer wieder steht er am Fenster und sieht sich den Hafen an. Er guckt wohl genauso gerne wie ich.

Noch weiter links gibt es eine Reihe neuerer Häuser und der Architekt hat sie in verschiedenen Höhen so konstruiert, dass sie zusammen wie ein Schiff ausschauen. Das erkennt man aber nur, wenn man lange aufbleibt, bei Tageslicht fällt es kaum auf. Dort gibt es auch den Eisenbahnwagon, der Teil eines Restaurants ist, die Holzliegen mit Meerblick und das Espressohaus, wo man so wunderbar in den Kissen versinkt, dass man stundenlang dortbleiben möchte. Das nächste Mal nehme ich keinen Espresso…

Bei den Gästebooten ist längst Ruhe eingekehrt, die Wohnmobilfahrer haben Türen und Fenster geschlossen, hinter mir leichte Schlafgeräusche. Die Wohnungen, ich und mein Glas Wein scheinen die einzigen zu sein, die noch wach sind und im Zwiegespräch. Längst habe ich alles gesehen und auch noch einmal gesehen, dort geht noch ein Licht an, dort ein Licht aus, die Sonne hat sich kurz ganz zurückgezogen und wenn ich mich nicht auch zurückziehe, beginnt gleich der neue Tag. Das würde der Stunde den Zauber stehlen und doch kann ich mich noch nicht ganz verabschieden.

Denn dann wird es wieder vorbei sein. ......