
Unsere 1. Schottlandreise 2019
Was wäre auch eine Schottlandreise ohne Regen? Nicht vollkommen! Und glauben würde es auch niemand, denn, wie ein schottischer Taxifahrer sagte, es regnet in Schottland 90 % der Zeit. Nach dem sonnigen Einstieg dachten wir Ungläubigen doch tatsächlich schon, es gäbe hier keine Wasserfälle! Nun, nach der ersten durchregneten Nacht waren sie da und zwar in jeder Ecke, in die wir schauten. Die Bäche wurden zu starken Flüssen, die Bäume standen manchmal bis zur Krone im Wasser. Wir aber als Urlauber mit viel zu begrenzter Zeit fuhren stoisch weiter Richtung Isle of Skye. Auf einem noch fast neuem Campingplatz schlugen wir unser Lager auf und machten uns auf den kurzen Weg ins Dorf. Wenn schon ein Regentag, dann aber bitte mit krönendem Abschluss.
Wir steuerten die Pizzeria an, die offenbar gut besucht war. Die Frage, ob wir reserviert hätten, kam obligatorisch und allmählich mussten wir erkennen,
das ohne Reservierung doch nichts so richtig rund läuft...
Bisher hatten wir Glück gehabt und es hatte sowohl bei den Campingplätzen, als den Restaurants ohne Reservierung geklappt. Daher waren wir etwas vor den Kopf
geschlagen, dass wir - trotz offensichtlich leerem Tisch - nicht reindurften, sondern nur für eine halbe Stunde später reservieren konnten.
Wer kennt das nicht; man kann noch so tapfer sein, wenn's im Urlaub regnet und nichts zu sehen ist, dann ärgert das. Und jetzt auch noch kein Essen...
Es half ja nichts, wir konnten die Bedienung nicht überwältigen, reservierten und spazierten noch etwas durch den Ort, zum Glück bei mäßigem
Regen, schummelten ein bißchen mit der Zeit und stellten uns wieder vor das unabdingbare Schild 'Wait to be seated'.
Von da an ging die Sonne auf. Ein bißchen Alkohol und eine super gute Pizza brachten uns wieder ins Lot! Die anderen armen Menschen, die
abgewiesen wurden, bekamen nicht allzu viel Mitleid von uns....
In den nächsten zwei Tagen umrundeten wir die Isle of Skye. Der Old Man of Storr versteckte sich weitgehend, die Fairy Pools waren so
überschwemmt, dass man hätte bis zum Oberschenkel durch einen Fluß waten müssen.
Dazu fühlten wir uns zu alt. Das Dunvegan Castle hätten wir gerne besichtigt, es war aber einfach kein Parkplatz zu bekommen. Das Resultat
von zwei Tagen Skye fällt daher in Hinsicht auf Fotos etwas mager aus, obwohl es hier viel zu sehen gibt. Da wir aber aus der einsamen Gegend
im Nordwesten kamen, empfanden wir den Andrang, der alleine schon dadurch entsteht, dass jeder die Insel einmal links und/oder einmal rechts herum erkundet,
als 'too much'. Eines aber war klar, der Campingplatz am Anfang der Insel war wieder unser Ziel und wir erwiesen uns als lernfähig, indem wir den Platz in der Pizzeria vorbestellten.
Der Moment, in dem wir durch die etwas enttäuscht aussehenden, wartenden Menschen gingen, der war unser!
Daher gibt es heute nur zwei Empfehlungen von uns: Der noch recht neue Campingplatz: www.campingskye.com mit netten Inhabern und in der Nähe
des Ortes, sowie die hervorragende Pizzeria: cafesia.co.uk
Passt nur auf Euren letzten Bissen auf! Hier geht alles so zackig, dass man schon mal den Teller mit dem Rest Essen weggenommen bekommt!
Fear Math!
Nach dem "kleinen Desaster" nahmen wir Kurs auf die Cairngorms, die uns auch sogleich verzauberten und beruhigten. Zur Übernachtung fanden wir den Braimar Caravan Park. Hier bekamen wir vom Receptionist einen Code für die Schranke: 5I°.86 "Five-Seven-eight-six", sprachs und schrieb's auf, zur Sicherheit für Menschen, die die englische Sprache nicht so mögen, Franzosen vielleicht und sorgte damit für mehr Verwirrung bei mir. Auf Nachfrage, ob ich die Zahl richtig verstanden hätte, wurde ich in dieses englischsprachige Geheimnis eingeweiht, von dem ich bislang keine Ahnung hatte: Hier wird die Sieben zur Abgrenzung zur Eins eben mit einem Punkt oben geschrieben, die eins mit einem Punkt unten. ?? Ein überaus praktisches Beispiel dafür, das Reisen bildet. Auch der Braimar Campingplatz war sauber und gut organisiert, wie die meisten Plätze hier in Schottland. Nach diesem kurzen Bildungsexkurs geht es weiter über Crathie durch die Berge. Kaum losgefahren, kommen wir an einer malerischen alten Brücke vorbei, die natürlich festgehalten werden muss. Kurz hinter der Brücke fanden wir zum Glück einen Halteplatz und konnten mit einem kurzen Fußweg die ersten Bilder des Tages schießen. Die weitere Fahrt durch die Cairngorms war wieder atemberaubend schön! Am Nachmittag kamen wir dann zu meinem zweiten Besichtigungspunkt, der auf der Outlander-Serie beruht. Für Nichtfans die kurze Erklärung, dass der bisher 8bändige Roman auf der Geschichte der Briten und Schotten beruht, speziell auf der Zeit, in der die Highländer den britischen Thron zurückerobern wollten und dabei unter schlechter Führung des selbstverliebten Charles Edward Stewart, bekannt als Bonnie Prince Charlie in ein Massaker rannten, in dem innerhalb von überlieferten 25 Minuten 1.250 Jakobiten getötet wurden, aber nur 300 Regierungssoldaten. Für die Schotten ist dies sicher auch heute noch der Verlust der Selbstständigkeit und ein sehr bedeutender Gedenkplatz. Im Vorfeld konnte ich mir nicht vorstellen, wie man damit umgeht, aber ich bin beeindruckt, wie gut dieser Ort als Touristenort einerseits mit Besucherzentrum und vielen Informationen und andererseits das "Battlefield" ohne viel SchnickSchnack und dennoch eindrücklich und informativ angelegt wurde. Das Culloden Battlefield an sich ist National Trust for Scotland und damit ohne Eintritt für jedermann zugänglich, nur den Besuch des Informationszentrum und eine Führung muss man bezahlen. Wenn man sich ein wenig mit der Gesichte beschäftigt hat, ob nun durch den Roman oder Sachbücher, Erzählungen oder Internet, hinterlässt, wenn man es zulässt, dieser Besuch einen nachhaltigen, tiefen Eindruck. Gleich in der Nähe gibt es die Culloden Moor Club Site, ganz wunderbar gelegen und sehr zu empfehlen. Auf dem Weg dorthin sahen wir noch die von einem Engländer zu Beginn unserer Reise angekündigten "hairy cows", die es offenbar nur in der Nähe von Inverness gibt. Gut, dass wir für Sie gehalten haben!
Edinburgh Holyrood Abbey Wenn Du nach Edinburgh kommst, solltest Du unbedingt Holyrood Palace besuchen. Wenn man ein wenig über Schottlands Geschichte gelesen hat, ist das ein sehr interessantes Königsschloss und ein kurzweiliger Besuch. Leider darf man hier nicht fotografieren und es gibt in jedem Raum Personal, dass peinlich darauf achtet. Die anschließende Holyrood Abbey bietet dagegen viele interessante Fotomöglichkeiten, besonders bei schönem Wetter! Das Königsschloss ist eigentlich aus Erweiterungen der Abtei entstanden. Hier hat u.a. auch Maria Stuart gelebt. Der Name Holyrood erinnert zwar an Hollywood, bedeuted aber Heiliges Kreuz oder Wahres Kreuz und ist damit die Bezeichnung für das Kreuz, an dem Jesus Christus gestorben ist. Es soll angeblich im Jahr 325 gefunden worden sein und dann in Teilen an verschiedene Orte gebracht worden sein. Holyrood war politisch bedeutsam, Zeuge von königlichen Krönungen, nahmhafte Persönlichkeiten wurden hier beerdigt und im Krieg zwischen Schottland und England weitgehend zerstört. Auf der Beschreibung (Foto) erhält man einen kleinen Eindruck davon, wie imposant die Abtei einmal gewesen sein muss. Nicht zuletzt ist der Park wunderschön. Also unbedingt einplanen!
Edinburgh - Dùn Èideann
Womit beginnt ein Schottlandbesuch? Mit Edinburgh natürlich! Bevor wir den Campingplatz als Startpunkt anfuhren, beschlossen wir, die Stadt
versuchsweise anzufahren und zu sehen, ob es einen geeigneten Parkplatz für unser SWEBmobil gibt. Dazu haben wir den Holyrood Park ins Navi
eingegeben und siehe da, die Glücksrumtreiber konnten dort stehen bleiben und schon mal die Nase in die Hauptstadt Schottlands stecken.
Wir haben dann gleich mal Hollyrood Palace besichtigt, sozusagen als Vorspeise.
Sinnvollerweise entschieden wir uns dazu, es am nächsten Tag wieder mit diesem Parkplatz zu versuchen und uns dann die ganze Stadt anzusehen.
Der Edinburgh Caravan & Motorhome Campingplatz empfing uns überaus freundlich, aber mit der - wie wir lernen sollten - in Schottland überaus
üblichen Frage -, ob wir reserviert hätten. Da wir uns grundsätzlich die Freiheit lassen möchten, weiterzufahren, wenn's nicht passt,
hatten wir bewusst nicht reserviert. Auch die Dame an der Rezeption meinte dann, dass wir wahre Glücksrumtreiber seien, denn nur weil
einer abgesagt hätte, gäbe es einen freien Platz, ansonsten wäre man für die nächsten 2 Monate ausgebucht! Läuft!
Auf Empfehlung gehen wir noch den Fußweg bis zum Strand und fühlen uns ganz wurdervoll! Was auch immer wir erwartet hatten; - keine Stadt
mit Hügeln und einem Strand in der Nähe des Campingplatzes! Besser kann ein Urlaub gar nicht beginnen. Da am nächsten Tag der reguläre
Edingburghbesuch anstand, brauchten wir allerdings eine weitere Übernachtung, aber auch die wurde für uns aufgetrieben. Auf einem Rasenplatz,
der fest war und an dem es nichts auszusetzen gab. Nachdem es am Sonntag einigermaßen ruhig in Edinburgh zuging und der Parkplatz recht gut
zu erreichen war, erwarten wir das Gleiche oder vielleicht sogar weniger Betrieb am Montag. Weit gefehlt! Nur mit etwas Wartezeit bekamen
wir doch wieder einen Parkplatz, aber so richtig dazu raten können wir nicht, mit dem Womo in die Stadt zu fahren, hier war der Teufel los!
Ganz Edinburgh überflutete uns mit Eindrücken. Ein Tag ist für diese Stadt zu wenig! Besucht haben wir "The Scotch Whisky Experience",
denn ich wollte unbedingt das Bernsteinzimmer sehen, (die Vorführung ist nicht der Rede wert), das Scott Denkmal, sowie das Edinburgh Castle.
Den Rest haben wir mit dem Tourbus abgefahren. Das hört sich nach wenig an, aber es gibt sooo viel zusehen, die Wege sind mitunter sehr steil,
so dass der Tag extrem schnell rum war. Da wir ja mit dem SWEBmobil zum Campingplatz zurückfuhren, nahmen wir auch noch die Straße über die
Hollyroodhügel mit und bekamen noch Fotos von dort oben. Unsere Empfehlung: Der Edinburgh Caravan & Motohome Camping Place - Am besten mit Reservierung.
Mit der ADAC CampingCard gibt es hier Rabatt: https://www.caravanclub.co.uk/.../edinburgh-caravan-club.../
Der nächste Tag in Schottland begann mit einem ersehnten Highlight und endete mit einem - nun ja sagen wir mal, nicht sooo gut geplanten Ziel
und einem etwas peinlichlichen Desaster.... Natürlich möchet Ihr alle wissen, was das Highlight war!
Die Forth Bridge als bekanntes schottisches Fotomotiv wollte ich unbedingt fotografieren, am besten mit Himmel. Im Vorfeld war ich nicht sicher,
ob wir dazu einen passenden Parkplatz finden würden. Vorsichthalber hatten wir South- und North-Queensferry eingplant. Das Parken war an
beiden Enden überhaupt kein Problem. Der nach wie vor blaue Himmel in South-Queensferry brachte sich ebenfalls passend ein. Das war eine
Fotosession nach meinem Geschmack. North-Queensferry zeigte sich dann bedeckt und bildete einen guten Kontrast. Der nächste Halt auf unserer
Route war die Edradour Distillery in Perthshire. Sie ist als die kleinste, traditionelle Distillery bekannt und gab sich überaus malerisch.
Der Empfang war etwas unentspannt, aber die Tour mit einer Verkostung fanden wir sehr sehr gut gemacht, informativ, freundlich, in aller Ruhe
und Gelassenheit und mit netten Sprüchen. Daher lautet unsere Empfehlung des Tages: Edradour Distillery: www.edradour.com
Zu lernendes Vokabular: "Wait to be seated" - "Wage es nicht, dich irgendwo hinzusetzen"