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Mit Auto und Zelt zur Ardeche

Wir waren ja auch mal jung...

Beim Aufräumen habe ich ein paar Notizen unseres Urlaubes in den Pyrenäen gefunden. Wer kennt das auch, dieses innerliche Grinsen über sich selbst, kurze Notizen, die Momente wieder aufleben lassen, aber auch der Gedanke, man hätte auch etwas eloquenter im Ausdruck sein können. Verbunden mit einer Sehnsucht auf die beinahe noch unberührte Gesundheit, die Unbedarftheit und das Zurechtkommen mit allen Widerständen und Unannehmlichkeiten!

Reiseplanung im Internet gab es zwar schon, war aber doch sehr viel eingeschränkter als heute, Buch und Zeitschrift waren die Mittel der Wahl! Los ging es mit Auto und Zelt in die Pyrenäen. Und wofür sind diese bekannt? Für ihre tolle Landschaft, die Berge und not least: den Regen. In jedem zweiten Satz in den Aufzeichnungen stand Regen oder nass.... Sascha übertraf sich selbst, indem er uns am Campingplatz Isabena bei Saint-Engrâce ein Tarp über's Zelt spannte, eine Folie unter das Zelt legte und einen Regengraben zog, der in der Nacht auch noch einmal nachgezogen wurde! Nach einigen Tagen Tapferkeit war dann doch alles irgendwie feucht bis nass, so dass wir sogar eine Nacht im - für uns damals recht teurem - Hotelzimmer im wunderschönen Torla verbrachten. Heimlich haben wir die Zeltsachen reingeholt und so gut es ging getrocknet! Nicht zuletzt das mächtige spanische Frühstück brachte endgültig unsere Energie zurück.

Unser Highlight in diesem Urlaub war eine Kanutour auf der Ardeche. Das war so richtig großartig und nachhaltig. Auf dem Campingplatz an der Ardeche bauten wir unser Zelt neben einem Wohnmobil, einem Karmann auf und der Besitzer meinte zynischer- ääh ich meine freundlicherweise, sie hätten auch mit einem Zelt angefangen und haben es jetzt zu diesem guten Stück gebracht. "Hingestellt, Tür auf, die Frau kocht Kaffee und fertig." Sprach's während wir das Zelt aufstellen und uns noch mit dem richtigen Abspannen beschäftigen. Sascha musste das immer seeehr korrekt durchführen und in der Regel noch einmal alles lösen und neu anfangen. Heute heißt es eher: Wir stehen schief, ich muss noch mal umstellen und auf Keile fahren, alles festhalten (Kochtopf, Weinglas, Kamera, Laptop...)

Jedenfalls prophezeite unser freundlicher Platznachbar an der Ardeche noch: Eines Tages habt ich auch so etwas. Das konnten wir uns damals noch nicht vorstellen, fanden die Aussage etwas gönnerhaft und so wurde der Spruch "Wenn Ihr mal groß seid, werdet Ihr auch ein Wohnmobil haben" zum geflügelten Wort unter uns. Wer hätte gedacht, dass er am Ende Recht behält.

Nach einem Jahr Wohnmobilreisen

Kurz zum Ende der Saison des ersten Jahres mit unserem eigenen Wohnmobil zog ich 2018 Bilanz:

EIN verlängertes Wochenende könnte man sich ja dieses Jahr noch gönnen - endless summer - you never know - vielleicht wird es noch einmal ein so schönes Wochenende, dass wir ein letztes Mal losfahren. Nun ja, Ihr habt Recht, das ist relativ unwahrscheinlich.

Wir hätten uns nicht vorstellen können, w i e schwer es uns fällt, zu Hause zu bleiben, wenn Wochenende ist. Unser S.W.E.Bmobil hat leichten Suchtcharakter!

Kein Wunder - was für ein Reisejahr für die Rumtreiber!
Unendlich dankbar haben wir unser erster Jahr mit dem liebevoll auch swebi genannten Mobil Revue passieren lassen. Grob gezählt waren wir in 46 Orten und dabei sind nur die gezählt, die wir gezielt angefahren haben oder dort übernachtet haben. Wir haben 9 intensive Sonnenuntergänge beobachtet. Wir waren 2018 tatsächlich in 7 (sieben!) Ländern unterwegs und in jedem Land hat es uns ans Meer gezogen. 3 Mal übernachteten mit Blick auf einen großen Fluss.

Wir haben so viele freundliche Gespräche geführt, die Zuvorkommensten davon in Irland, das Erstaunlichste in Andernach mit dem alten schwedischen Ehepaar und hier ist alt mehr als respektvoll gemeint!

Zum Glück haben wir unsere Fotos, sonst wüssten wir schon die Hälfte nicht mehr. Manchmal standen wir so schön, dass wir die Vorhänge auflassen konnten und abends den letzten und morgens den ersten Blick aufs Meer werfen konnten.

Wir hatten viel, wirklich viel Arbeit. Mit dem Vorbereiten, mit dem Packen, mit dem Saubermachen, und vielem Anderen. Das wussten wir und nehmen es gerne in Kauf. Von Mal zu Mal wird es auch leichter. Vor unserer ersten Tour nahmen wir uns vor, alles gaaanz in Ruhe zu packen und erst loszufahren, wenn alles stimmt. Und dann kam die Sonne raus. Wir waren zu ungeduldig und mussten los. Wir strahlten offenbar um die Wette, so dass uns andere Womofahrer, noch an ihrem zu Hause, aber offenbar ebenso voll Vorfreude, einfach nur zuwinkten. Es wurde eine wirklich chaotische erste Auszeit. Sogar Streichhölzer für den Gasherd mussten wir uns erbetteln. Aber schön war es in Maastricht an Hafen.

Amsterdam überraschte uns mit seinem verrückten Viertel im Norden und der tollen Anbindung an die Stadt. Auch wenn wir die ersten Touren mit unserem eigenen Womo machten, waren wir ja zum Glück keine Neulinge, denn sonst hätten wir diesen Stellplatz ganz sicher nicht genutzt; einiges wäre uns dadurch entgangen.

Es war noch so früh im Jahr, aber wir hatten bei den ersten Fahrten super Wetter. Wenn Engel reisen. Aber auch die haben mal nicht so gute Tage. An der deutschen Nordsee lernten wir; die Plätze in der ersten Reihe sind schon besetzt, das Meer vornehmlich weg und es regnet. Dennoch hat uns das, was wir sahen gut gefallen und wir werden diese Ecke ganz sicher wieder besuchen. In Cuxhaven standen wir auf der "Platte" und beobachteten die Schiffe und den Sonnenuntergang. Hier stellte ich fest, dass es doch ein Bier gibt, das mir schmeckt, das Jever. Überhaupt waren wir in dieser Saison so unglaublich oft essen und was trinken. DAS muss sich nächstes Jahr ändern, sonst sind wir bald pleite. Aber cool war das!

Wir wollten immer in Belgien ans Meer und landeten meisten in den Niederlanden. Hier gibt es schöne Plätze am Meer und in den Dünen - wenn man ein Jahr im voraus bucht und am besten die Besitzer schon kennt. Aber - wenn man geneigt ist, 20-30 Minuten bis zum Meer zu gehen, sind die "Mini-Campingplätze" eine super Alternative. Meer ist einfach immer nur schön. In Breskens standen wir dann einmal verboten und wurden gleich morgens von einem vermutlich erbosten Anwohner fotografiert - oh Schreck. Die APP Parken für eine Nacht habe ich wieder gelöscht. Dafür hatten wir einen wundervollen Sonnenuntergang!

Wir sind über die Geierlay gegangen, fanden Cochem zu touristisch, haben den Geysir in Andernach bestaunt, standen also an Rhein und Mosel. In Oberhausen rief uns der Berg und überraschte mit der einladenden Gastromeile. Brügge hat bei wunderschönen Wetter und mit ortsnahem Stellplatz gepunktet. All die tollen Gebäude vor tiefblauem Himmel, wir konnten gar nicht aufhören, den Auslöser zu drücken.

Frankreich - mal schnell ein verlängertes Wochenende ins Elsass, das wir ja schon recht gut kennen, aber wir konnten doch noch neue Orte ausfindig machen und haben auf dem Grand Ballon in aller Stille übernachtetet. Irland, Nordirland und England haben alle, die uns bei facebook folgen - mit uns erlebt, einschließlich der Passkontrollen. Ein Urlaub mit vielen Facetten und niemals werden wir die lieben irischen Menschen vergessen. Ein sehr spezieller Urlaub war das, anstrengend, überraschend, verwirrend, genussreich. Der schlechteste Campingplatz hatte wieder einen unglaublichen Sonnenuntergang für uns. Irishes Stir Fry kann man hervorragend vegetarisch zubereiten und ich sag nur: Pub, Jameson, Guiness, Kilkenny, Bushmills....

Wir sind sooo dankbar für diese Zeit und so froh, dass wir uns für swebi entschieden haben. Danke auch an unsere Familie, die uns fahren lässt, auch wenn Ostern ist. Danke an Euch alle, die Ihr mit Kommentaren und Likes alles noch schöner macht. Manchmal gehen wir Euch sicher auf die Nerven, aber das versteckt Ihr sehr gekonnt.

Es wird schwer bis zum Frühjahr zu warten, aber es gibt ja noch viele Fotos zu bearbeiten und zu Posten, Zeit mal wieder was Spezielles aus den Reiseländern zu kochen und zu fotografieren, die Homepage zu bearbeiten, Zeit Freunde zu besuchen und einzuladen und die nächsten Reisen vorzubereiten!

Whisky in Nordportugal

Seit ich mich kürzlich mit den Portugalfotos aus alten Zeiten beschäftigt habe, fallen wir immer wieder kleine Momente - Geschichten, 'die wir später gerne noch erzählen' - (danke Julia Engelmann für diesen Satz) ein.

Lange in irgendwelchen Gedächtniskästchen verstaut, quellen sie auf einmal wieder aus der Schublade heraus und fließen wie ein leichtes Sommertuch in mein Bewusstsein. Es war im Nationalpark Peneda Geres - also gefühlt wirklich am Ende der Welt....Dort gab es auf einem Berg einen Campingplatz Rural - also, wenn dieser Platz nicht Rural war - dann gibt es keinen! Damals waren wir noch mit Auto und Zelt unterwegs - jung also - quasi... Leider habe ich alle Namen vergessen - bis auf einen: Whisky.

Huh, hatte ich zunächst Angst, das Törchen zum Campingplatz aufzumachen. Doch der Verstand gewann, denn niemand, der Gäste haben möchte, lässt seinen bösen Hund frei rumlaufen.... Whisky war alles andere als böse, aber ein explosiver Ausbund an Kraft und Energie!! Kurzum, wir kamen auf einen wundervollen Campingplatz, einsam, nur für echte Naturliebhaber, mit wundervollen Gastgebern! Die Nacht auf diesem Berg im Zelt war die kälteste und leiseste und dunkelste Nacht meines ganzen Lebens.

Und ich habe sie genossen. Nun - m e i n Schlafsack war auch neu und warm! Zu dieser Zeit - Sommer 2006 - gab es eine Fussball EM (Qualifikation?).... Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mit Fussball gar nichts anfangen kann. Wir hatten zuvor schon auf einem anderen Campingplatz mit Portugiesen in einem Raum gesehen, wie Portugal gegen Deutschland um den 3. Platz (?) verliert. Keiner hatte uns schief angesehen! 'Schweinsteiger' hört sich von einem Portugiesen ausgesprochen sehr charmant an und es schwang immer viel Respekt mit. Ich kann Euch sagen, es gibt Momente im Leben, da geht ein gestandener Portugiese vor die Tür, um Herr über seine Tränen zu werden...

Auf diesem Campingplatz nun, auf dem Berg mit Whisky, gab es ein Entscheidungsspiel, zu dem man uns in den großen Aufenthaltsraum, ähnlich einem großen Wohnzimmer einlud. Auch mit Hilfe von Google kann ich nicht mehr herleiten, wer gespielt hat, auf jeden Fall ist wohl Deutschland nun auch ausgeschieden. Am Ende des Spiels hielten dann ca. 15-20 Portugiesen die Luft an. Zum Glück - damit keiner ersticken muss - fiel mir etwas aus meinem Minimalwortschatz Portugiesisch ein, das sogar verfügbar war: ¡Que pena! - Wie schade! Vereintes Luftholen und 15-20 erleichterte Portugiesen, die uns angrinsen und alle durcheinander quatschen. Das war ein Moment. So schlicht, so einfach, so freundlich und verbindend. Ein kleiner Moment - aber ein großer Schatz in unseren Erinnerungen.

Sprachverwirrungen

Ich kam darauf, weil ich mal wieder zu spät dran war, um etwas norwegisch zu lernen; Ja, Nei, Tak, God Dag und Unnskyld funktioniert noch. Bis auf manche Speisekarten kommt man ja auch gut mit Englisch durch, daher gibt man sich gleich weniger Mühe...

Dazu fiel mir so manches Sprach-/Mißverständnis in Portugal ein. Jeder, der schon mal Portugiesisch lernen wollte, weiß, dass es zwar aussieht wie Spanisch, sich dann aber für den Unwissenden anhört wie Tschechisch oder so. Trotzdem hatte ich mir die Mühe gemacht und das Wesentliche gelernt. Uma cerveja, faz favor; das ging ganz gut. Aber dann bestellten wir einmal Pizza in einem Restaurant: Eine mit Salami und einmal die gleiche, nur ohne Salami, da es eine herkömmliche Margharita nicht gab. Der junge Kellner ist ein wenig verwirrt, nimmt die Bestellung aber auf und geht in die Küche. Dort spricht er - offenbar mit Vater und Mutter - und zeigt auf uns. Oje, was wird das denn jetzt? Wir sind gespannt, was wir bekommen. Tatsächlich wird es dann Pizza Salami und Pizza Margherita.

Allerdings zusammengenommen nur eine Pizza. Wundervoll angerichtet, getrennt auf zwei Tellern und nicht etwa eine Hälfte auf einer Tellerhälfte, nein, alles geschnitten und akkurat im Muster verteilt auf den ganzen Teller! Nun, was soll ich sagen, der junge Kellner musste uns für arme Schlucker halten und wir hatten nachher schon noch Hunger! Aber wir wollten angesichts dieser Freundlichkeit und Zuvorkommenheit nicht meckern und haben uns nur überschwänglich bedankt. Ich sag' Euch, wir können heute noch herzlich darüber lachen!

Ja, und da war da noch der Tag, an dem ich Frühstück bestellte und dazu einen Brandy bekam. Der hat allerdings gut geschmeckt und der Tag fühlte sich besonders leicht an!
Saúde!

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